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Von der richtigen Auswahl des perfekten Hundes

Vorweg sei gesagt: Sogenannte – oft kritisierte – Welpentests ersetzen weder eine strenge Züchterauswahl noch das Auseinandersetzen mit der richtigen Rasse für die jeweilige Lebenssituation. Hat man sich dann aber für den geeigneten Hundetyp und einen vertrauenswürdigen Züchter entschieden, kann man innerhalb des Wurfes noch einmal bewerten, welcher Hund am besten zu welchem Welpeninteressenten passt.

Übrigens gelten diese Aussagen auch für Welpen aus dem Tierschutz, sofern sie eben wirklich noch bis zu acht Wochen alt sind. Bis dahin ist dann auch die wichtige Prägephase abgeschlossen, welche dem jungen Hund sozusagen die Grundausstattung für das weitere Leben gibt. Alle späteren Phasen finden auf sozialer Ebene statt, diese sollten die Kleinen im Optimalfall schon bei ihrer neuen Familie erleben. Außerdem gilt ganz klar: Bei Welpentests kann es kein Richtig oder Falsch geben. Es handelt sich nicht um eine Prüfung, die bestanden werden muss. Es geht lediglich darum, durch verschiedene Ergebnisse festzustellen, welcher Hund am besten den Anforderungen der künftigen Halter entspricht. Ein sehr ruhiger, sensibler Hund kann also genauso „richtig“ sein wie ein äußerst robuster und ungestümer. Übrigens nutzen Züchter diese Tests auch oft, um die Tauglichkeit ihres Wurfes für spätere Blindenführ- oder Assistenzhunde zu prüfen. Und natürlich können sich das Temperament und die Wesenszüge eines Hundes durch Erfahrungen, Erziehung oder sonstige Einflüsse noch einmal maßgeblich verändern. Welpentests sollen nur eine Idee davon geben, mit welchem Typ Hund man es einmal zu tun haben wird. Die zwei bekanntesten Wesenstests für Welpen nennen sich „Biotonustest“ und „Sechs-Wochen-Test“.

Ich, als Züchterin, möchte so gut es geht wissen, wem ich meine Welpen anvertraue. Ich lerne meine Welpeninteressenten zum Teil schon viele Monate vor der Geburt der Welpen kennen, treffe mich mit Ihnen zu ausgedehnten Spaziergängen mit meinen Hunden, so dass man sich im wahrsten Sinne des Wortes gegenseitig ein wenig „beschnuppern“ kann.  Mich interessieren die Menschen an sich, sind sie extrovertiert oder introvertiert? Wie sind ihre Lebensumstände? Beruflich gesehen, aber auch im privaten Alltag? Gehören Kinder zur Familie und wie alt sind sie? Wie gehen die Kinder mit Hunden um? Sind sie ängstlich, zurückhaltend, oder gehen sie offen auf meine Hunde zu?
 

Sind die Welpen schließlich geboren, beobachte ich sie natürlich vom ersten Tag an und kann schon verschiedene Wesenszüge und Unterschiede zu ihren Geschwistern ausmachen. Allerdings sind dies Beobachtungen, die das Verhalten des einzelnen Welpen im Rudel darstellen. Wichtig ist, wie verhält sich der Welpe, wenn er auf sich allein gestellt ist, ohne sein Rudel. Und so kommt der sogenannte 6-Wochen-Test, oder auch Biotonustest ins Spiel.

Die wesentlichen Elemente dieses Welpentests sind Folgende:

Soziale Orientierung:

Wie nimmt der Welpe einen fremden Menschen wahr? Ist er eher schüchtern oder nimmt er direkt Kontakt auf? Ist er eher vorsichtig oder ungestüm? Diese Testsituation soll Aussage darüber geben, ob der Hund Menschen gegenüber eher aufgeschlossen ist oder sich eher zurückhaltend zeigt.
 

Spielverhalten:

Der Mensch wirft ein Spielzeug, z. B. einen Ball. Reagiert der kleine Vierbeiner aufgeschlossen und zeigt vielleicht schon Ansätze von Kooperationsverhalten, um das Spiel weiter in Gang zu halten? Oder ist er uninteressiert an der Dynamik und zeigt sich damit vielleicht sogar eher überfordert? Unter Umständen wird es schwierig, einem solchen Hund Lernfreude und Kooperationsbereitschaft zu attestieren.
 

Assoziationsvermögen:

Unter drei Plastikbechern werden gut duftende Fleischbällchen versteckt. Interessiert sich der Hund überhaupt für das Futter? Wenn ja, welche Strategien findet er, um an das Futter zu gelangen? Und vor allem: Kann er die erfolgreichste Strategie bei einem zweiten Versuch direkt rekonstruieren? Dies spricht für einen äußerst kreativen Hund, der vermutlich auch in seinem späteren Leben immer wieder neue Wege für Lösungen ausprobieren wird. Was zunächst gut klingt, kann im Alltag aber auch sehr anstrengend werden.

Pflegende Dominanz:

Der Welpe wird entweder auf dem Arm oder am Boden vorsichtig auf den Rücken gedreht und dabei behutsam festgehalten und untersucht (übrigens ein Verhalten, das die Hundemutter regelmäßig vornehmen muss). Zeigt der Hund Rebellion, wird hektisch und lässt sich auch durch weiteres Festhalten nicht beeindrucken, kann dies dafür sprechen, dass er eher Schwierigkeiten haben wird, sich unterzuordnen. Wobei auch hier gut beobachtet werden kann, welche Ansätze er zeigt, um sich aus dieser eingeschränkten Lage zu befreien. Beißt der Welpe gleich in die Hand oder knurrt, spricht dies für kompliziertere Unterordnungsprobleme als einfaches Fluchtverhalten. Übrigens sollte auch immer gut beobachtet werden, wie sich der Welpe gleich nach diesem Testelement verhält. Geht er angespannt mit erhobener Rute davon, wird es wahrscheinlich beim späteren Halter immer wieder Momente des Auflehnens geben. So ein Ergebnis sollte der Züchter im Auge behalten und immer wieder mit dem Welpen trainieren. Fazit sollte vor allem sein, dass Strampeln, Beißen und Co. beim Welpen nicht zum Erfolg führen. Eine Hundemutter würde den Welpen auch korrigieren und nachhaltig klarmachen, dass es jetzt Zeit ist stillzuhalten. Erfährt der Hund das durch den Menschen nicht, wird für ihn naheliegend, sich auch in anderen Lebenssituationen mit genügend Willenskraft gegen den Menschen durchsetzen zu können.

Schreckreflex:

Hier wird durch ein lautes Geräusch, wie z. B. einen herunterfallenden Topfdeckel, überprüft, wie ein Welpe auf solche Umweltreize reagiert. Wird der Wurf beispielsweise in einem Stall in ländlicher Umgebung aufgezogen, ist davon auszugehen, dass der Schreck sehr groß sein wird. Hunde, die aber bereits in den ersten Wochen immer wieder sukzessive an verschiedenste Geräusche gewöhnt werden, zeigen sich davon eher unbeeindruckt. Gerade ein Hund, der später einmal Stadtlärm ausgesetzt ist, sollte nicht sehr geräuschempfindlich sein.
 

Schmerzempfinden:

Auch hier wird kurz in die Haut gezwickt und die Reaktion des jungen Hundes bewertet. Was zunächst unfair klingt, ist eine wichtige Information für später. Leben z. B. in der Familie kleine Kinder, wird es unter Umständen (bei aller Vorsicht) auch einmal vorkommen, dass ein Kind dem Hund auf die Pfote tritt, über ihn stolpert oder ihn sogar zwickt. Reagiert der Hund darauf überempfindlich und verzieht sich quietschend in eine Ecke, ist er sicher nicht der Richtige für eine Familie. Schon gar nicht, wenn sein Reflex Gegenwehr ist und er schnappt. Reagiert er darauf aber nur leicht bis gar nicht, kann er zumindest in dieser Frage problemlos in eine Familie integriert werden.

Selbstschutzinstinkt:

Hier wird der Welpe (bitte mit erhöhter Aufmerksamkeit durch den Tester) auf einen Tisch gestellt, um zu prüfen, wie er mit dieser Situation umgeht. Die einen bleiben verhalten in der Tischmitte sitzen und trauen sich nicht, sich zu bewegen. Andere springen mit Anlauf vom Tisch und wollen übereifrig die Welt entdecken. Zurückhaltendes Verhalten kann ein Vorteil sein. Denn starkes Explorationsverhalten und sich – ohne die Gegebenheiten vorher behutsam geprüft zu haben – einfach in die „Tiefe“ zu stürzen, kann vor allem im späteren Leben lebensgefährlich sein. Ein gesundes Mittelmaß an Neugierde und Vorsicht wäre hier wohl in den meisten Fällen das Optimum.

Fazit:

Fakt ist, Welpentests können nicht das einzige Bewertungskriterium für die Wesenserkenntnisse von Welpen sein. Auch die Tagesverfassung der Hunde, spätere Einflüsse und nicht zuletzt die Bewertungsfähigkeit des Testers spielen eine große Rolle für die Beurteilung. Ich arbeite hier mit Holger Scholz, Martin Rütter DOGS Krefeld, zusammen. Holger’s objektive und professionelle Beurteilung meiner Welpen und seine persönliche Meinung, welcher Welpe am besten zu welcher meiner ausgewählten Welpenfamilien passt, hat sich sehr bewährt. Außerdem spielt auch mein Bauchgefühl eine wichtige Rolle, die richtige Entscheidung zu treffen. Am Ende geht es doch darum, Mensch und Hund glücklich zu machen. Und das ist mir bisher immer gelungen.

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